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Vitale Emotionen eines ganzen Orchesters

Ariana Burstein flutet mit dem Cello das Palais Hirsch / Bach tanzt mit Reger Tango
Von unserem Mitarbeiter Carlo Weippert

Sie legt alle Aufmerksamkeit des Abends in den Saal, eine Nonchalance der Leichtigkeit erfüllt den Raum, das Orchester nimmt die Plätze ein, der Abend um Bach, Reger, Debussy und quirlige Tänze aus Spanien und Lateinamerika bekommt seinen Weg. Vom dominanten Kontrabass bis zum feinen Piccolosound sind alle Klangfarben der Cellowelt in den Händen, Gedanken und Augenbrauen einer einzigen Frau: Ariana Burstein.

Durch spanische Schwingtüren bittet Marin Marais in den „Folies d'Espagne" die Gäste zum Konzert der Emotionen galant herein, es ist zart-wild angerichtet. Schon jetzt klärt die Saitenzauberin in 15 Variationen den weiteren Abend ab: Jeder kann sich jetzt in die Weite der Empfindungen fallen lassen.

Von Johann Sebastian Bach für Ferdinand Christian Abel, Gambist und Cellist in der fürstlichen Kapelle Anhalt-Köthen geschrieben, hat die Suite II, D-Moll, BWV 1008, heute für Ariana Burstein alle Möglichkeiten der Entfaltung an ihrem Cello: Konzertant, nicht zu mathematisch serviert sie im Prelude einen Appetizer, dem

in der Allemande sogleich die Eleganz der Schwingungen folgt. High-Technik im Fingersatz lässt den Augen keine Chance, alle irren 16tel-Läufe nachzuvollziehen; im ausklingenden Ton liegt bereits der Neuanfang zur Courante, gleitet warm hinein. Melancholische Teile erfahren durch die Schwerelosigkeit der Darbietung ihre feine Ergänzung, der ganze Körper spielt mit.

Druckvoller Tempo-Aufbau zum Finale in der Gigue bekommt in klarer Bass-Do-minanz seine Basis, das Orchester der Emotionen hat sich eingespielt. Mit einem Flamenco der energisch-vitalen Überraschungen, Glissando-Effekten und Pizzi-cato-Einwürfen spielt Ariana Burstein alle Trümpfe aus, die Herkunft (Buenos Aires), Ausbildung und Feeling eingebracht haben. Der Pausenapplaus entspricht total den Schwingungen im Saal.

Die 2. Suite, D-Moll, von Max Reger setzt auch enorme Höhenlagen dieses warmen Instrumentes frei, ohne schrill zu wirken. Im Largo lässt die Orchesterchefin ihr volles Instrumentarium erklingen, das Cello erfüllt die ganze Partitur der Gedanken, ein furioses Tempo baut Spannungen auf, klingt im Finalpart lange aus. Auch die Seele erhält von Claude Debussy ihre Streicheleinheiten, kann in „Syrinx" etwas baumeln, Luft holen. Traumwelten bauen sich auf, Nebelschwaden lösen sich kurz, verdichten sich wieder; der Bogen zieht noch lange seine Bahn, den Saiten bleibt alle Freiheit der Schwingungen.

Der Tango als ganz wichtiger Teil dieser empfindsamen Künstlerin setzt in vier Varianten mit Live-Themen seinen satten Punkt unter ein Programm des prallen Lebens, der vitalen Emotionen, ole!

Schwetzinger Zeitung, 5. November 2004